Hamburg neu denken

Es wäre eine gute Nachricht, wenn die Verantwortlichen für die Internationale Bauausstellung (IBA) nach dem ursprünglich für den Herbst dieses Jahres geplanten Ausstellungsendes ihre Arbeit fortführen könnten. Auf das Fachwissen der mehr als 25 Mitarbeiter kann Hamburg, wenn es sich erfolgreich und sinnvoll weiterentwickeln will, genauso wenig verzichten wie auf deren gute Kontakte zu privaten wie genossenschaftlichen Investoren, den Bezirken und der Stadtentwicklungsbehörde.

Wenn die IBA GmbH künftig als städtische Projektentwicklungsgesellschaft auftritt, sollte ihre Arbeit sich aber nicht auf Hamburgs Süden beschränken. Vielmehr sollte die neue Unternehmung zu einer Drehscheibe für die Stadtentwicklung werden und dabei gleich mehrere Rollen spielen. Da wäre zunächst die Funktion eine Entwicklungsbüros. Der erste Lackmustest werden Entwicklung und Vermarktung der Neubaugebiete „Röttiger Kaserne“ und „Elbmosaik“ im Westen des Bezirkes Harburg sein.

Schon seit Jahren wird über beide Flächen viel geredet – geschehen ist, legt man die ehrgeizigen Wohnungsbaupläne des SPD-Senats zugrunde, bislang zu wenig. Das mag sowohl an der cityfernen Lage als auch an der Zurückhaltung der Wohnungswirtschaft gelegen haben. Hier muss – und das Vertrauen ist groß, dass sie es kann – die neue IBA GmbH die Rolle eines Türöffners übernehmen.

Und zwar eines Türöffners in beide Richtungen. Schließlich geht es nicht nur darum, privates oder genossenschaftliches Kapital für den Bau von Wohnungen und die Entwicklung von Stadtvierteln zu gewinnen. Ebenso wollen Investoren Zugang zu staatlichen Stellen haben und frühzeitig mitreden können. Manches Bauprojekt ließe sich womöglich rascher und effizienter entwickeln, wenn es von privater und öffentlicher Hand gemeinsam entwickelt wird.
Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) bezeichnet eine mögliche neue IBA GmbH als „Labor für die Stadtentwicklung des 21. Jahrhunderts“ und beschreibt damit eine weitere künftige Rolle. Die neue

Stadtplanungsgesellschaft muss der Ort in Hamburg werden, wo die Elbmetropole der Zukunft erdacht wird. Dabei geht es nicht nur um Häuser, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen, oder um neue Baustoffe.
Die neue IBA GmbH muss über Wilhelmsburg hinaus in die Entwicklung Hamburgs eingebunden werden. Rothenburgsort, Hammerbrook und Harburg sind nur einige Stadtteile, denen eine große Zukunft vorhergesagt wird. Vielleicht ist es an der Zeit, Hamburg vom Süden aus zu betrachten und zu entwickeln. Die IBA-Verantwortlichen haben in den vergangenen Jahren Wilhelmsburg entwickelt und dabei bestens erfahren, was der Süden vom Norden der Stadt braucht.

Eine neue, kleine Stadtplanungsgesellschaft kann zudem flexibler arbeiten und rascher auf Unvorhergesehenes reagieren. Großen Einheiten – Behörden wie Konzerne – neigen zu Unbeweglichkeit und Zaudern, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren.

Es wird daher Aufgabe der zuständigen Stadtentwicklungssenatorin sein, die neue IBA GmbH als Chance zu begreifen und ihr den nötigen Freiraum zu gewähren. Das schließt die Vorgabe politischer Leitlinien – beispielsweise den Bau einer gewissen Zahl von Sozialwohnungen – nicht aus. Aber wenn das neue Konstrukt ein Erfolg werden soll, muss es frei von Populismus und politischen Moden arbeiten können.

Zu guter Letzt spricht für eine Fortführung der IBA GmbH die Geschichte. Die Bauausstellung ist ein Erfolg geworden und hat weit über die Grenzen Hamburgs hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt. Vor allem beim Fachpublikum ist die Ausstellung wohlgelitten. Und vielleicht ist der Erhalt der IBA GmbH unter anderem Namen ja der erste Schritt, mittelfristig eine weitere Bauausstellung in Hamburg zu organisieren.


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