Ein altes Problem ist zurück

Altersarmut schien bis vor ein paar Jahren ein Relikt aus den vergangenen Jahrzehnten zu sein. Viele jüngere Hamburger erleben, wie ihre Eltern ihren Lebensabend mit einem gewissen Wohlstand genießen. Oftmals sind es gerade die Eltern, die etwas zuschießen, wenn man sich selbst in einer finanzielle Notlage befindet.

Das Statistikamt Nord teilte nun am Montag mit, dass sechs Prozent der in Hamburg lebenden Rentnerinnen und Rentner einen staatlichen Zuschuss benötigen, um über die Runden zu kommen. Diese Zahl mag auf den ersten Blick den oben beschriebenen Zustand zu bestätigen.

Der zweite Blick aber offenbart eine bedenkliche Entwicklung, die sich abseits von der öffentlichen Wahrnehmung reiselustiger und wohlhabender Senioren vollzieht. Die Zahl jener Hamburger Renterinnen und Rentner, denen der Staat Geld zuschießen muss, ist in den vergangenen fünf Jahren um 27 Prozent gestiegen. Das Attribut sprunghaft ist in diesem Fall durchaus berechtigt.

Hier zeigt sich eine Folge unserer veränderten Arbeitsbiografien. Dass ein Arbeitnehmer mehr als 40 Jahre in einem Beruf und in einem Betrieb arbeitet und dabei ununterbrochen in die Rentenversicherung einzahlt, ist heute die Ausnahme. Ein späterer Berufseintritt oder eine vorübergehende Arbeitslosigkeit führen aber – und das zeigt sich heute – zu teils erheblichen Rentenabschlägen.

Machen wir uns nichts vor: Die am Montag vom Statistikamt veröffentlichten Zahlen sind erst der Anfang. Lücken in der Beschäftigung, geringere Löhne infolge von Teilzeitarbeit oder Mini-Jobs und Rentenabschläge werden das Problem verschärfen und in wenigen Jahren die Zahl jener Menschen steigen lassen, denen Altersarmut droht.

Ein alleiniges Allheilmittel dagegen gibt es nicht. Jeder Einzelne muss früh mit seiner Altersvorsorge beginnen und in guten Zeiten etwas für die späteren zurücklegen. Das allein wird aber nicht reichen. Möglicherweise ist die Garantie einer Mindestrente ein Weg aus dem Dilemma. Finanziell gesehen kommt es am Ende auf dasselbe hinaus: Mindestrente oder staatliche Zuzahlung – die Solidarität der Gemeinschaft ist gefordert.


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