Das ist erst der Anfang

Die Zahlen sind nicht wirklich neu. Das Statistikamt Nord hatte erst im September mitgeteilt, dass sechs Prozent der in Hamburg lebenden Rentner einen staatlichen Zuschuss benötigen, um über die Runden zu kommen. Ein am Dienstag veröffentlichter Vergleich machte deutlich, dass Hamburg mit dieser Zahl bundesweit an der Spitze liegt.

Bis vor einigen Jahren schien Altersarmut ein Relikt aus vergangenen Jahrzehnten zu sein. Die meisten jüngeren Hamburger können erleben, wie die Eltern ihren Lebensabend in Wohlstand genießen. Die Tourismusindustrie, Theater und Museen haben in den rüstigen Senioren zahlungskräftige wie treue Kundschaft.

Für junge Familien sind in einer Großstadt wie Hamburg Großeltern, die um die Ecke wohnen, ein Sechser im Lotto. Entweder sie schießen etwas Geld zu, wenn man selbst in finanzielle Not geraten ist. Oder sie sind für die Kinderbetreuung da. Auf jeden Fall werden Rentnerinnen und Rentner hierzulande eher als wohlhabend und hilfsbereit wahrgenommen.

Aber es gibt eben auch die andere Seite. Das Statistische Bundesamt hat nun herausgefunden, dass in Hamburg 62 von 1000 Rentner Anspruch auf eine staatliche Zuzahlung haben. Zudem ist in der Hansestadt die Zahl jener Senioren, denen der Staat helfen muss, in den vergangenen fünf Jahren um 27 Prozent gestiegen.

Fragt man nach den Ursachen, verweist die zuständige Sozialbehörde auf die Lebenshaltungskosten in Hamburg. Diese liegen deutlich höher als in Bremen, Berlin oder auf dem Lande. Eine Betrachtung allein der Wohnungsmieten bestätigt die These der Behörde. Die Folge der hohen Mieten machen sich beim Zuschussbedarf „Kosten der Unterkunft“ bemerkbar.

Wer jetzt vorschnell von Senioren erwartet, dann eben die Wohnung oder gar die Stadt zu wechseln, dem sei die alte Weisheit entgegengehalten: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Gerade im Alter haben Menschen das Recht, in ihrer angestammten Umgebung mit Familie oder Freunden zu bleiben. Gerade im Alter steigt der Bedarf an guter gesundheitlicher Versorgung und an kurzen Wegen für die täglichen Besorgungen.

Allerdings gibt es unter vielen Renterinnen und Rentnern in Hamburg durchaus den Wunsch, die angestammte teure und oft viel zu große Wohnung gegen eine kleine, altersgerechte zu tauschen. Wenn der Senat das Wohnungsbauprogramm nutzen würde, vermehrt altersgerechte und bezahlbare Wohnungen zu errichten, könnte der eine oder andere Rentner künftig möglicherweise ohne staatliche Zuzahlung auskommen.

Ein weiterer Grund für die steigende Zahl an Rentnern, die auf eine staatliche Zuzahlung angewiesen sind, ist unser verändertes Arbeitsleben. Wir erfahren jetzt, dass ein Arbeitnehmer, der mehr als 40 Jahre in einem Beruf gearbeitet und dabei ohne Unterbrechung in die Rentenversicherung eingezahlt hat, mehr und mehr die Ausnahme ist. Wer aber später in den Beruf startet oder zwischendurch eine Zeit lang arbeitslos ist, der muss mit hohen Abschlägen rechnen.

Hinzu kommt, dass im Westen Deutschlands vor allem ältere Frauen zunehmend auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Hier zeigen sich die Folgen des über Jahrzehnte gelebten Familienmodells. Anders als ihre Altersgenossinnen im Osten Deutschlands, sind Renterinnen aus dem Westen oftmals gar nicht oder nur zeitweise einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Die Folgen liegen auf der Hand, denn die Rentenversicherung funktioniert nach dem Prinzip: Wer wenig oder nichts verdient, zahlt wenig in die Versicherung ein und erhält am Ende lediglich eine Minirente.

Und machen wir uns nichts vor: Die jetzt veröffentlichten Zahlen sind erst der Anfang. Geringe Löhne infolge von Teilzeitarbeit oder Mini-Jobs und Lücken in der Beschäftigung werden das Problem zu geringer Renten in den nächsten Jahren verschärfen.

 


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