Tage des Sturms

Heftig und hartnäckig, aber nicht so schlimm wie befürchtet: Der Orkan „Xaver“, der am Donnerstag und Freitag über Nordeuropa tobte, hat im Norden Deutschlands weniger Schäden verursacht als erwartet.
Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 185 km/h, gemessen auf Sylt, deckten Dächer ab, entwurzelten Bäume und drückten Autos von der Straße. In Hamburg rückten Feuerwehrleute zu rund 700 Einsätzen aus, um umgestürzte Bäume und Äste wegzuräumen oder Dachziegel zu sichern. In Schleswig-Holstein meldeten Feuerwehr und Polizei mehr als 2000 Sturm-Einsätze.

Hamburg und die Nordseeküste wurden bis Freitagabend von drei Sturmfluten getroffen. Am Morgen des Nikolaustages erlebte die Hansestadt die zweithöchste Flut seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1825. Der Pegel stieg gegen 6.15 Uhr auf 3,98 Meter über dem mittleren Hochwasser. Nur die Sturmflut vom Januar 1976 war höher. Die Gefahr von Deichbrüchen wie bei der Katastrophe im Februar 1962 bestand jedoch zu keinem Zeitpunkt.

Am Sonnabend entspannte sich die Lage an der Elbe. Die Morgenflut erreichte am Pegel St. Pauli nur noch 1,48 Meter über dem mittleren Hochwasser, wie ein Sprecher des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sagte. Damit habe sich „alles wieder normalisiert“.

Auch die HafenCity, in der inzwischen rund 2000 Menschen leben, erwies sich als sturmfest. Zwar wurden die Marco-Polo-Terrassen und der Sandtorkai überspült, doch die Flutschutztore waren rechtzeitig geschlossen worden. So kamen Geschäfte oder Tiefgaragen nicht zu Schaden. Die U-Bahn-Linie 4 fuhr während der Flut ohne Unterbrechung.

Die HafenCity wird von der Hamburger Hauptdeichlinie nicht geschützt. Deshalb seien die Gebäude auf hohen Sockeln – wie auf den Halligen „Warften“ genannt – errichtet worden, erklärte André Stark von der HafenCity GmbH.

Trotz der relativ geringen Schäden wirbelte „Xaver“ den Alltag der Menschen gehörig durcheinander. Hamburgs Schüler durften am Freitag zu Hause bleiben, Reisende mussten sich in Geduld üben. Der Flughafen nahm am Freitag den Betrieb zwar wieder auf, musste aber am Abend mehr als 100 Flugausfälle vermelden – ursprünglich waren 400 Starts und Landungen geplant. Wegen starker Sturmböen und Schneeschauern konnten die Flugzeuge nur phasenweise abgefertigt werden. Ab Windgeschwindigkeiten von 41 Knoten dürfen Gangways und Fluggastbrücken nicht mehr genutzt werden.

Auch die Bahn hatte bis in den späten Freitagabend noch mit Auswirkungen des Orkans zu kämpfen. In Hamburg unterbrachen entwurzelte Bäume den S-Bahn-Verkehr zwischen Blankenese und Klein Flottbek. Fernzüge nach Schleswig-Holstein und Dänemark sowie der Sylt-Shuttle zwischen Niebüll und Westerland fuhren nicht. Eine Entspannung der Lage versprach die Bahn für den heutigen Sonnabend etwa ab der Mittagszeit.

Malte Eggers vom Hamburger Institut für Klimakommunikation bezeichnete „Xaver“ als einen „Wintersturm, wie man ihn nicht jedes Jahr erlebt“. Das Besondere sei seine Dauer gewesen. „Es gab 24 Stunden fast ununterbrochen starken Nordwestwind.“ Der Herbststurm „Christian“ war zwar in den Windspitzen heftiger gewesen, hatte aber nur ein paar Stunden über Norddeutschland getobt.


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